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Interview mit Michael Skibbe

„Es hat alles gepasst, wir haben uns in Untermünkheim sehr wohlgefühlt“

Der Deutsche U-19-Meister Borussia Dortmund ist Teilnehmer am renommierten Bundesliga-Cup, der am Wochenende wieder in Schwäbisch Hall stattfindet. Seit dieser Saison ist Michael Skibbe Trainer der U-19.
Nach einer Trainingseinheit auf dem TURA-Sportgelände nahm sich der bekannte Bundesligatrainer Zeit, sich den Fragen von Vorstandssprecher Horst Marlok zu stellen.

Horst Marlok:
Hallo Herr Skibbe, herzlichen Dank, das sie sich für das Interview Zeit nehmen. Ihre Trainerkarriere begann im Jugendbereich, jetzt sind sich nach zahlreichen Stationen wieder zurück im Nachwuchssport. Wie kam es zu ihrem neuen Engagement? Als gebürtiger Wattenscheider müssten sie sich ja eher dem FC Schalke zugehörig fühlen. Sie haben ja Ihre Karriere im Jugendbereich auch begonnen als

Michael Skibbe:
Ja, das ist richtig. Allerdings habe ich ja schon früher bei Borussia Dortmund gearbeitet und hielt über all dies Jahre engen Kontakt zu den dortigen Verantwortlichen. Wir haben schon vor Jahren darüber gesprochen, irgendwann arbeiten wir nochmal zusammen und wiederholen das, was wir vor 20 Jahren mal gemacht haben.   Ja, und dann kam dieses Frühjahr, im Februar, der Anruf von Lars Ricken (Jugendkoordinator beim BVB Anm. d. Red.) und ja,so hat sich dann alles ergeben.
Es hat einfach dann gut gepasst.

Horst Marlok:
Sie haben ja schon in den 1980er Jahren Jugendmannschaften trainiert und jetzt wieder. Worin liegt der große Unterschied zu früher und heute was Jugendtraining oder den Umgang mit Talenten betrifft?

Michael Skibbe:
Es ist deutlich professioneller geworden. Die Einführung der Nachwuchsleistungszentren, der Junioren-Bundesligen und so weiter, hat natürlich zu einer Professionalisierung geführt. Wir haben viel mehr hauptberufliche Trainer. Wir haben Nachwuchsleistungszentren mit Rasenplätzen, mit Übernachtungsmöglichkeiten für Spieler und so weiter. Das hat es also vor 20, 25, 30 Jahren in der Form noch nicht gegeben.

Horst Marlok:
Hat sich auch der regionale Bezug, was die Auswahl der Spieler betrifft, verändert?

Michael Skibbe:
Damals hatten wir natürlich mehr regionalen Bezug. Es war damals wirklich die Ausnahme, Spieler von „außerhalb“ zu holen. Undenkbar war, wie es heute fast schon üblich ist, Jugendtalente aus dem Ausland zum Verein zu holen.

Horst Marlok:
Wo liegt für Sie der Reiz, eine Jugendmannschaft zu trainieren?

Michael Skibbe:
Ich habe unglaublich positive Erfahrungen gemacht in den 10 Jahren, die ich bei Schalke und dann bei der Borussia als Jugendtrainer verbracht habe. Es ist einfach die Leidenschaft für Fußball. Es macht wahnsinnig viel Spaß, auch als Trainer, Spielern Dinge zu
vermitteln und beizubringen.  Nachwuchsspieler sind von Natur aus  unglaublich aufmerksam, weil die ja noch eine große Karriere vor sich haben möchten.

Horst Marlok:
Wie lautet die Zielsetzung in Dortmund für den Nachwuchs. Ist das jetzt primär, Spieler an die erste Mannschaft heranzuführen oder doch auch wieder ein großes Talent zu entwickeln, dass dann mit großem Gewinn weiterverkauft werden kann. 

Michael Skibbe:
Was auch passiert, genau, und was auch hin und wieder bei Borussia schon gemacht wird, so wie man das gerade jetzt auch wieder mit Christian Pulisic gemacht  hat. Beides ist natürlich Ziel. In erster Linie wollen wir Spieler für den Profibereich ausbilden, dafür braucht man eine Vielzahl von guten Spielern, um ein gutes Niveau zu haben. Und dann möchte man natürlich, und wir auch, am liebsten die allerbesten für den eigenen Verein ausbilden, für die Profimannschaft beim BVB, aber uns liegen alle anderen Talente genauso am Herzen und wir begleiten auch deren Karriere weit über den  Jugendbereich hinaus.

Horst Marlok:
Jetzt in Schwäbisch Hall, das erste große Turnier. Was haben Sie sich vorgenommen? Steht der Turniersieg für sie an erster Stelle oder soll diese Veranstaltung eher dazu genutzt werden, sich im Team näher kennen zu lernen? Immerhin hat die Saison ja erst begonnen.

Michael Skibbe:
Richtig, wir sind seit dem 1. Juli zusammen. Die meisten Spieler kennen sich schon gut, weil sie vor zwei Jahren auch schon in der U 17 zusammen gespielt haben. Von daher ist es kein wahnsinniges Kennenlernen.  Am ehesten müssen die Spieler mich kennen lernen und ich sie kennen lernen. Aber ansonsten kommt es uns natürlich darauf  an, möglichst guten Fußballnachwuchs, guten Fußball anzubieten hier beim  Turnier. Wir sind sehr froh, dass es Vereine gibt, wie jetzt auch hier in Schwäbisch Hall, die sich darum bemühen, Top-Turniere in Deutschland auszurichten. Der Bundesliga-Cup in Schwäbisch Hall ist ein top besetztes Turnier und eines der bedeutendsten in Deutschland und von daher bin ich natürlich den Veranstaltern dankbar, genau wie alle meine Trainerkollegen in den anderen Clubs auch, dass wir hier in Schwäbisch Hall die Möglichkeit haben, so ein Turnier zu spielen.

Horst Marlok:
Vielleicht noch ganz kurz Ihre Eindrücke heute vom Trainingsgelände hier in Untermünkheim; hat da alles gepasst?

Michael Skibbe:
Sehr schön. Es hat alles gepasst, angefangen schon mit der Vorbereitung, der Organisation und der netten Einladung. Wir haben uns hier natürlich  vom ersten Moment an wohlgefühlt, der Platz ist in einem sehr guten Zustand. So wie das ja auch zu Beginn einer Saison für Ihren Club selbst auch sein sollte und wichtig ist.   Wir hatten perfekte Trainingsbedingungen und hatten viel Spaß. Ein schönes kleines Trainings- und Spielgelände hier, herzlichen Dank, dass wir hier trainieren durften.
 
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Am Ende des Gesprächs überreicht Michael Skibbe an Horst Marlok noch einen von ihm signierten Wimpel von Borussia Dortmund. Herzlichen Dank den TURA-Helfern Wolfgang Meiner, Rainer Kircher, Joachim und Oliver Rössler, die für die Organisation zuständig waren.

Biografie Michael Skibbe:
Der ehemalige Jugendnationalspieler musste schon mit 22 Jahren seine aktive Spielerkarriere gesundheitsbedingt beende. Es folgten Trainerstationen im Jugendbereich bei der SG Wattenscheid, beim FC Schalke 04 und bei Borussia Dortmund. Von 1998 bis 2000 war er Cheftrainer bei Borussia Dortmund und stieß dann als Co-Trainer zur Deutschen Fußballnationalmannschaft. Mit Rudi Völler wurde er 2002 Vizeweltmeister. Bis 2005 war er beim Deutschen Fußballbund in leitender Funktion angestellt, wechselte dann in die Bundesliga. Dort trainierte er unter anderem Bayer Leverkusen (2005 bis 2008), aber auch Eintracht Frankfurt und Hertha BSC. In der Türkei feierte er mit Galatasaray Istanbul den Pokalsieg. Zuletzt war er drei Jahre lang Nationaltrainer in Griechenland.

BVB Spieler Youssoufa Moukoko in Untermuenkheim 1
BVB Spieler Youssoufa Moukoko in Untermuenkheim 8
Michael Skibbe
Fotos: Ufuk Arslan
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